Luftfahrtindustrie steht vor gravierenden Veränderungen - Golflinien werden immer stärker
Europäische Fluggesellschaften müssen zunehmend die Konkurrenz aus dem Nahen Osten fürchten. Fluggesellschaften wie Emirates, Etihad und Qatar Airways drängen in den nächsten 20 Jahren verstärkt auf den europäischen Markt. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little muss sich die Luftfahrtindustrie in den kommenden 20 Jahren auf große Veränderungen einstellen. „Den etablierten europäischen Fluggesellschaften droht der Wettbewerb mit den stark wachsenden Airlines aus den arabischen Scheichtümern“, zitiert Dow Jones Newswire Ralf Baron, Leiter des Geschäftsbereichs Verkehr und Transport der Unternehmensberatung Arthur D. Little. „Da kommen noch ganz harte Zeiten auf uns zu“, so der Unternehmensberater bei einer Veranstaltung des Luftfahrt-Presse-Clubs am Montag in Frankfurt.
Bevölkerungswachstum, steigende Kaufkraft und Lage sind die Pluspunkte der Golflinien Die Bevölkerungszahl im Einzugsgebiet von Emirates & Co. wachse in den nächsten Jahren fünfmal stärker als in Europa und auch die Kaufkraft steige in der Region erheblich schneller. Die Gesellschaften profitierten aber auch von der Lage ihrer Heimatflughäfen auf halber Strecke zwischen Asien und Europa.
Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche schätzt die Lufthansa, dass die Wüstenkonkurrenz ihr bereits jetzt bis zu 600.000 Passagiere im Jahr abspenstig macht – Tendenz steigend. Noch dramatischer als der Verlust an Marktanteil sei der Preisverfall. Ihre vorteilhaften Kosten – im Durchschnitt fliegen die arabischen Airlines 30 Prozent günstiger und erwirtschaften dennoch Gewinne – nutzten die Golflinien und drückten die Durchschnittspreise auf ein Niveau, bei dem Europas Linien kaum noch mithalten könnten.
Erfahrung spricht für europäische Linien Langjährige Erfahrung sei nach Einschätzung von Ralf Baron der Vorteil der großen westlichen Fluggesellschaften gegenüber ihren arabischen Mitbewerbern. Sie böten mit ihren eingespielten Teams einen besseren Service als die Golf-Konkurrenz, die wegen ihres schnellen Wachstums ständig neue Mitarbeiter ausbilden müsse. Diesen Vorzug gelte es weiter zu pflegen.
Die Gesellschaften müssten jedoch ihr Kundenbild revidieren und sich auf einen neuen Reisetyp einstellen: „Der Flugreisende im Jahr 2030 wird im Durchschnitt älter, hybrider, digitaler, asiatischer, individueller und ökologischer als bisher“, prognostiziert Baron laut Dow Jones Newswire. Sein Verhalten werde wesentlich weniger vorhersagbar sein als bisher. Zudem müssten sich sowohl Airlines als auch Flughäfen auf höhere Ansprüche der Reisenden einstellen. So würden Zusatzleistungen, die das Reisen angenehmer machten, immer wichtiger.
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