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Der Private Equity Markt                                                                  

Die Private Equity Investitionen in Europa haben zugenommen, die Medien berichten fast täglich über größere Transaktionen. Dennoch sind die Möglichkeiten dieses Instruments – sowohl als Finanzierungsform für Unternehmen als auch als Anlageform für Investoren – längst nicht ausgeschöpft.

Auch wenn Medienberichte einen anderen Eindruck erwecken – das annualisierte Wachstum der Private Equity Investitionen betrug von 2000 bis 2005 nur etwa drei bis vier Prozent, mit großen Unterschieden zwischen den verschiedenen Segmenten: So haben Venture Capital Finanzierungen, also die Investitionen in der Gründungs- oder Start-up-Phase eines Unternehmens, in den letzten Jahren nur leicht zugenommen. Deutlich stärker gewachsen ist die Finanzierung von Buyouts, also Expansionsfinanzierung oder Übernahmen von Unternehmen oder Unternehmensteilen. Einen Großteil des Volumens machen dabei die sehr großen Transaktionen, die so genannten Mega Buyouts, aus. So erreichte die bisher größte Transaktion, die Übernahme der amerikanischen Krankenhauskette HCA, allein ein Investitionsvolumen (inkl. Fremdkapital) von 33 Mrd. USD. Nach der Anzahl an Transaktionen ist jedoch das Segment der mittelgroßen Buyouts am stärksten gewachsen.

Auch die meisten Fonds sind im Bereich der mittelgroßen Buyouts aktiv. Im Bereich der Mega Buyouts arbeiten weltweit lediglich 20 bis 30 Fonds, im Bereich der mittelgroßen Buyouts sind es weltweit über 500. Vergleichsweise wenig Interesse gilt den kleinen Buyouts: Fondsmanager, die ursprünglich auf kleine Beteiligungen spezialisiert waren, konzentrieren sich in vielen Fällen zunehmend auf größere Transaktionen. Dabei bieten kleinere Beteiligungen bessere Chancen, unternehmerischen Mehrwert zu schaffen. Auch werden kleinere Unternehmen grundsätzlich mit einem geringeren Fremdkapitalanteil finanziert als die großen. Wachstumsstrategien im Segment der kleineren Buyouts sind daher üblicherweise weitgehend  unabhängig von der Entwicklung der Fremdkapitalmärkte und daher weniger riskant. Zudem weisen Transaktionen, die mit einem kleineren Fremdkapitalanteil finanziert werden, auch eine geringere Korrelation zu Aktien und Anleihen auf. Gerade in Zeiten steigender Zinsen tragen Investitionen mit kleinerem Fremdkapitalanteil daher zur Stabilität im Portfolio bei. Interessante Deals mit hohem Renditepotenzial sind daher in den nächsten Jahren verstärkt im kleineren und in den USA auch im mittleren Buyout-Bereich zu erwarten. Das Wachstum der mittelgroßen und großen Fonds bietet den Fonds, die auf die Finanzierung kleinerer Unternehmen spezialisiert sind, gute Gelegenheiten, ihre Beteiligungen an die größeren Fonds im Rahmen eines „Secondary Buyouts“ zu veräußern.

Was den Private Equity Markt als Ganzes angeht, so ist er an keine Branche und deren Zyklen gebunden. Private Equity ist vielmehr ein Weg, Unternehmen aus verschiedensten Branchen zu kaufen und zu finanzieren. Auch in einem Umfeld steigender Zinsen können die Fonds investieren, denn beim Kauf von Unternehmen wird die Erwartung steigender Zinsen von guten Investmentmanagern in die Ermittlung der Kaufpreise einbezogen.

Allgemeine Veränderungen

Die Kapitalstruktur bei Übernahmen hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch geändert. In den 80er Jahren wurden Unternehmen fast vollständig auf Pump gekauft, das Verhältnis Fremdkapital zu Eigenkapital lag bei 20:1 und höher. Heute liegt das Verhältnis Fremdkapital zu Eigenkapital bei circa 60:40. Als 1989 RJR Nabisco für 31 Mrd. USD von einer Private Equity Gesellschaft gekauft wurde, waren dafür lediglich 1,3 Mrd. USD Eigenkapital nötig, heute wären es mindestens 12 Mrd. USD. Die Einkaufsmacht der Private Equity Fonds hat daher nicht zugenommen, sondern ist in den letzten 15 Jahren sogar gesunken.

Dennoch bietet Private Equity deutlich größere Investitionsmöglichkeiten in Unternehmen als etwa Aktien. In Deutschland gibt es weniger als 1.000 börsennotierte Unternehmen. Dagegen gibt es über 69.000 nicht börsennotierte Unternehmen, die mehr als fünf Mio. Euro Umsatz erwirtschaften und damit für die Finanzierung durch Private Equity Fonds in Frage kommen. Gleichzeitig lag die Marktkapitalisierung aller Aktienbörsen Ende März 2005 bei knapp 39 Billionen Euro, während das Volumen aller Private Equity Fonds aktuell auf gerade eine Billion Euro geschätzt wird.

Derweil wird die Branche immer professioneller. Die Steuerung der Unternehmen ist individueller – mit operativen Strategien, um die Unternehmen weiterzuentwickeln und den Unternehmenswert zu steigern. Dazu setzen die Private Equity Gesellschaften Manager mit breiter Industrieerfahrung ein.

Insgesamt kann man sagen, dass der Bedarf an Private Equity deutlich angestiegen ist und in Zukunft sowohl als Finanzierungsform für Unternehmen wie auch als Anlagesegment für institutionelle und private Investoren weiter an Bedeutung gewinnen wird. 

Hamburg, Oktober 2006

 


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